
Nachdem der Vorgänger "Casino Royale" ganz im Gegensatz zu allen bisherigen Teilen Bond nicht als charismatischen Frauenschwarm, sondern ihn und seine Vorgeschichte mit Ecken und Kanten dargestellt hat, könnte man meinen, dass sich "Ein Quantum Trost" nun etwas an Bond eins bis 21 anzunähern versucht.
Falsch. Anstatt einen Spagat zwischen Alt und Neu zu schaffen, entfremdet sich EQT noch weiter von den Filmen bis Pierce Brosnan und vertieft Bonds kühle und skrupellose Seite. Weiterhin gibt es keine Miss Moneypenny, keinen Q (bzw. R) und auch technische Sci-Fi-Basteleien bleiben aus.
Wäre alles nicht schlimm, nein sogar interessant, sich mal auf Bonds andere Seite zu konzentrieren, gäbe es da nicht einen großen Haken: EQT hat quasi keine Handlung! Es passiert so viel und doch gar nichts. Bond versucht Vespers Tod zu rächen, dazwischen gibt es jede Menge Glassplitter, Feuer, Kugeln und Blut. Und damit ist auch schon alles erklärt.
Der ganze Film ist noch rasanter aufgebaut als CR. Eine Verfolgungsjagd nach der anderen, das Auge kann den schnellen Bildern fast nicht folgen - und das alles in nur knapp eineinhalb Stunden (war jemals ein Bond so kurz?). Bond hält sich kaum 10 Minuten an einem Ort auf und ist auch schon wieder wo anders.
Als ich gelesen habe, dass Amy Whinehouse aufgrund ihrer Eskapaden nicht den Titelsong singen darf, hab ich mich gefreut - noch mehr, als dann in dem Zusammenhang der Name Alicia Keys aufgetaucht ist. Leider ist der Titelsong "Another Way to Die" aber höchst seltsam und hat keine Melodie. Im Zusammenhang mit dem Bond-Vorspann zwar besser, aber nur als Song enttäuschend.
Positiv hervorheben sollte man jedoch, dass wie auch in CR der Bösewicht (herrlich unsympathisch dargestellt von Mathieu Amalric) keine größenwahnsinnger Irrer ist, der die Weltherrschaft an sich reißen und eine neue Menschenrasse schaffen will, sondern einfach "nur" ein geldgieriger Schurke, der damit auch authentisch wirkt.
Die Bregenz-Szenen sind doch irgendwie etwas besonderes und gehören alleine schon wegen der Location zu den besten des Filmes. Interessant wäre, ob die deutschen Dialekt-Sätze im Englischen synchronisiert wurden oder nicht (spricht Bond Deutsch oder gibt es Untertitel?).
Zu guter Letzt: auch nachdem ich den Film nun gesehen habe, finde ich den deutschen Titel, der ja angeblich nichts mit Vesper zu tun hat, sondern den Namen der geheimen Orginastion wiedergibt, die Bond jagt, lächerlich. Nirgends im Film taucht auch nur einmal der Name "Ein Quantum Trost" auf, also hätte es der deutsche Titel "Quantum" wohl auch getan.
Fazit: Für Bond-Fans trotz allem ein Pflichttermin, für alle anderen nur dann sehenswert, wenn man jeinen Kinoabend mit jeder Menge Action sucht.