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Kuraufenthalt
von
Milka
am 29 Mär, 2026 10:18
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War schon jemand von euch auf Kur? Wenn ja, hat es euch etwas gebracht?
Ich überlege, einen Kurantrag zu stellen, bin mir nur nicht sicher, ob eine Kur "notwendig" erachtet wird. Meine Familie ist jedoch einstimmig der Meinung, dass es notwendig ist.
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#1
von
lara_ela
am 29 Mär, 2026 15:23
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Antrag kannst stellen. warum auch nicht? Die Rückmeldungen sind unterschiedlich und die Kinderbetreuung stellt hier ein Problem dar. Mutter-Kind-Kuren gibts in Deutschland. das fände ich sinnvoll, wenns bei uns das auch gäbe (ja es sind Eltern-Kind-Kuren... aber das betrifft meistens die alleinerziehenden Mütter). Kur ist nicht mehr so wie früher, was auch daran liegt, dass der Kuraufenthalt für viele ein Urlaub auf Krankenassenkosten war. Am Abend saufen und fressen und sich am nächsten Tag auf die Massageliege legen und dann ins Moorbad. das ist nicht mehr so. Massagen kriegst fast gar keine mehr. Es ist alles sehr aktiv. Walkinggruppen, Yoga, Geräteraum etc... und die vielen vielen Vorträge. Der Mann einer Freundin war auf einer Kur, wo Ziele definiert wurden und nach einer zeit wurden die wieder besprochen. Das ist sinnvoll. Meistens ists so, dass der Vortrag beginnt und 99% des Publikums einnickt. Die Quintessenz der Vorträge kann ich dir auch gleich präsentieren: Bewegts euch, rauchts nicht, saufts nicht und fressts keinen Mist. Also eh das, was man weiß, man kriegts halt nochmal gesagt (und es ist mMn recht sinnlos, weil das die Leut eh wissen. Sinnvoller wäre gemeinsames Kochen statt einem Vortrag, dass man mehr Gemüse essen soll). Und manche können vortragen und andere nicht. Das sind keine Leute, die dafür extra bezahlt werden, sondern Ärzte, Physios, Diätologen, die halt alle mal ran müssen Ich kenne Leute, die haben sich das Rad mitgenommen und sind in der Zeit, wo kein Termin war, Rennrad gefahren, wandern gegangen... das finde ich prinzipiell nicht schlecht. Vielleicht ist es dann auch eine Art Urlaub. aber einer, wo man selbst was für sich tut und nicht nur andere tun lässt. Natürlich ist das von Standort zu Standort etwas unterschiedlich und wer will kann daraus viel mitnehmen. Ich glaub ja, dass die Kritiken daher kommen, weil die Leute es eben nicht mögen, dass sie jetzt selbst gefordert werden (und nicht mehr: "i geh wieder auf Kur, dort richtens mi wieder her."). Ich kann mir gut vorstellen, dass das gut wäre für dich. Als Konzentration auf dich selbst. und für neuen Schwung!
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#2
von
TheMechanix
am 29 Mär, 2026 17:10
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Es ist alles sehr aktiv. Walkinggruppen, Yoga, Geräteraum etc... und die vielen vielen Vorträge. Der Mann einer Freundin war auf einer Kur, wo Ziele definiert wurden und nach einer zeit wurden die wieder besprochen. Das ist sinnvoll. Jössas...also mich betrifft's ja gsd (noch) net, aber zusätzlich zu dem eh schon albtraumhaften "Ich bin mit 1000 Leut in einem Sanatorium einkaserniert"-Bild, das ich von einer Kur hab, kommt dann auch noch "Ich bin mit 1000 Leut in einem Sanatorium einkaserniert und muss mir deppat-unnötige Vorträge mit 1000 Leuten anhören"...eine Horrorvorstellung für mich... Gegen Aktivitäten hab ich nichts (Yoga brauch ich aber auch nicht, wenn ich was hass', dann auf der Matte herumwurschteln), aber Vorträge und Zieldefinitionen? Ich bin ja net auf Seminar oder im Büro...das hat für mich nichts mit Genesung zu tun, sondern verleiht dem ganzen einen Leistungstouch, der da - in meinen Augen - nicht hingehört...
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#3
von
Charisma
am 29 Mär, 2026 17:36
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Mah mi wundert das gar ned, dass es einen Leistungstouch hat... Alles und immer nur auf Leistung... Zum Thema hab ich nix beizutragen, außer, dass eine ehemalige Bekannte ihr Kind schon auf Kur mit hatte - aber wie das genau gelaufen ist, weiß ich nicht und ich weiß a ned, wie du das wünschst, Milka. (ehemalige Bekannte... Gibt's das überhaupt?  )
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#4
von
lara_ela
am 29 Mär, 2026 17:42
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Kur und Reha sind zwei verschiedene Dinge. (wegen Genesung. Wenn man wirklich was hat, fährt man eher auf Reha) Es heißt ja jetzt "Gesundheitsvorsorge Aktiv". die Vorträge sind halt eine Maßnahme Geld zu sparen: viele Leute auf einem Haufen mit einem Angestellten abgefertigt. wie gesagt ist da natürlich nicht nur Mist dabei. Aber jeder Raucher weiß, dass Rauchen schlecht ist. Und alle wissen, dass sie mehr Gemüse essen sollen. Auf der anderen Seite wissen Raucher meistens nicht, dass sie sich nicht nur die Lunge hin machen, sondern auch die Heilung verlangsamen, die Bandscheiben austrocknen usw.. also auch nicht schlecht sowas mal zu hören. und auch, dass die Lunge eine gewisse Regenerationsfähigkeit hat. Genauso die Leber, die sich sogar von einer Zirrhose erholen kann und Narbengewebe abbaut, wenn man nichts mehr trinkt. es ist also nicht komplett sinnlos von vornherein. Aber wie gesagt wäre es gscheiter bei Rauchern ein ordentliches Anti-Rauch-Programm zu haben. Gegen das Übergewicht gemeinsam zu kochen. und vor allem auch dort in der Unterkunft so ein Essen bereit zu stellen. Da lassen sich die Leut auf Reduktionskost setzen während der Kur und dürfen sich dann gegen das bereitgestellte Kuchenbuffet wehren. so ein Schwachsinn! Mein Chef war allerdings gerade auf Kur und ihm haben auch die Vorträge gefallen. Er fand sie gut gemacht und informativ. Es ist nicht jede Entwicklung sinnvoll, manches aber absolut verständlich. und über früher oder später wird die Kur sowieso nicht mehr angeboten werden, weil einfach das Geld nicht da ist. Kur ambulant wäre es dann wahrscheinlich - was eh auch sinnvoll wär. Die Leut Auf uns wird noch sehr viel zukommen! und damit mein ich nicht einfach nur die Überalterung und das viele Sitzen, sondern auch die vielen adipösen Kinder, die jetzt keine Ressourcen aufbauen, die sie dann nutzen können.  Ein Gelenksknorpel baut sich nur bis ca 12 auf. und braucht dazu Anreize = Bewegung. Alles, was bis dahin nicht aufgebaut ist, kommt nicht mehr. Naja... anderes Thema...
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#5
von
lara_ela
am 29 Mär, 2026 17:44
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Mah mi wundert das gar ned, dass es einen Leistungstouch hat... Alles und immer nur auf Leistung... Zum Thema hab ich nix beizutragen, außer, dass eine ehemalige Bekannte ihr Kind schon auf Kur mit hatte - aber wie das genau gelaufen ist, weiß ich nicht und ich weiß a ned, wie du das wünschst, Milka. (ehemalige Bekannte... Gibt's das überhaupt? ) Gute Frage. weil Bekannt wär sie ja noch.  aber ich weiß schon, was du meinst. in D gabs das, da hatten die Kinder ein eigenes Programm. soweit ich weiß, kann man in Ö schon das Kind mitnehmen, muss sich aber selbst um die Versorgung kümmern. Meine Freundin hat gesagt, das müssen sie daheim jetzt einfach schaffen (sie hat zwei fast erwachsene Kinder und zwei kleinere, einer in der VS), weil sie nutzt diese Chance jetzt und fertig.
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#6
von
lara_ela
am 29 Mär, 2026 17:55
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ach ja "Leistung". hm... Nein eigentlich seh ich das gar nicht so. eher so, wie es die SVS auch hat. Wenn du bei der SVS versichert bist - also selbstständig bist - zahlst du 20% Selbstbehalt. Außer zu gehst zum Arzt, definierst Gesundheitsziele und schaffst die dann. Dann wird auf 10% reduziert (und es gibt noch was mit weiterer Reduzierung, das weiß ich jetzt nicht mehr). Das finde ich absolut sinnvoll. Übrigens kann das Gesundheitsziel auch so sein, dass man den Status hält. das war bei mir. Aber wenn jemand 120kg wiegt und man sich ausmacht, er soll bis zur Überprüfung in einem Jahr 20kg abgenommen haben, dann ist das ein sinnvolles Ziel, das man natürlich auch begleiten soll und dann auch evaluieren. Und um solche Dinge ging es bei dem, was sie über ihren Mann erzählt hat. Sich nicht bei der Kur berieseln lassen, sondern aktiv was ändern, um dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun.
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#7
von
TheMechanix
am 29 Mär, 2026 18:13
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Unter "Gesundheitsvorsorge Aktiv" stell ich mir aber nicht vor, dass ich - als jemand, der einen sitzenden Job hat - dann in einem Raum sitz und mir einen Vortrag anhör...da kann ich gleich daheim bleiben und einen entsprechenden Podcast aufdrehen, da sitz ich wenigst net mit 30 anderen in einem Raum...
Und bei mir legt sich bei "Zieldefinition" schon alles quer...es ist meine Gesundheit und MEIN Körper, der ist primär meine Hülle und keine Wirtschaftsressource und muss nicht "evaluiert" werden - wenn ich diese Wirtschaftsausdrücke schon hör, krieg ich Aggressionen...da wird über Jahrzehnte das Solidarsystem kaputtgemacht (durch Missbrauch, Misswirtschaft und einen immer stärker werdenden Einfluss der AG-Vertretungen), aber klar, ich muss jetzt Gesundheitsziele definieren, wenn mich das Arbeitsleben so anstrengt, dass ich einen Kuraufenthalt brauch...
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#8
von
lara_ela
am 29 Mär, 2026 18:41
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hm... Ich wüsste keinen anderen Namen dafür. und ja... es klingt wirtschaftlich. Aber unabhängig davon ist es doch von jedem Mensch der Wunsch gesund alt zu werden, nicht nur alt zu werden. Und da darf der Mensch schon auch was dafür tun. und nicht darauf warten, dass die Medizin ihn gesund hält. Und welche Eigenverantwortung (ich hasse dieses Wort, aber hier passt es mal ausnahmsweise) man da hat, darf man vielen doch auch mal näher bringen. Leider sind zu viele Menschen davon überzeugt für die eigene Gesundheit nicht verantwortlich zu sein. Aber andererseits darf mans ruhig auch wirtschaftlich sehen. Denn wenn die Ressourcen knapp sind: wer bekommt dann die Behandlung? Das ist finde ich schon eine Frage, die man sich dann stellen muss - gottseidank geht sich jetzt noch alles aus. Ich bin froh, dass wir dieses System haben! Aber man darf sich schon auch überlegen, ob es nicht sinnvoller ist jemandem zu helfen gar nicht erst Diabetes zu bekommen anstatt ihm dann die Behandlungen und später Dialyse teuer zu bezahlen. Auch für den Betroffnen selbst eigentlich. Und leider wissen wir ja, wie wenig weitsichtig wir Menschen da gern sind (und jo ich selbst auch. sitze faul herum am WE) Es ist unsexy und absolut ungerne besprochen aber die wirtschaftliche Seite MUSS in einem Staat mitbedacht werden. Ich entschuldige mich für das Politisieren im Thread, Milka!
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#9
von
TheMechanix
am 29 Mär, 2026 20:25
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Also ich will ja Eigenverantwortung (ich hass' das Wort auch  ) gar nicht infrage stellen, und auch nicht, dass man rein grundsätzlich auf Geld schaut - trotzdem ärger' ich mich, dass man jemand bei einer Kur (wie immer man das nennt) in einen Vortrag setzt...ich würd mir da ehrlich verarscht vorkommen, man verlangt von mir, 40h in der Woche mein Leben meinem Job zu widmen (weniger ist ja auch pfui, wie wir wissen), und wenn mich das überanstrengt, soll ich mir zum Ausgleich dann drei Wochen mit Vorträgen und Zieldefinitionen nehmen? Und auch wenn ich da jetzt abschweif, aber weil es letztlich die größte Ursache für diesen Mist ist: Mich regt das Prinzip auf, seit Jahrzehnten hängt uns der Neoliberalismus am Bein wie eine Eisenkugel, seit Jahrzehnten werden die Reichen massiv reicher, während der Mittelstand wegbricht und es mehr und mehr Arme gibt - und jetzt sollen die Leut in allen Bereichen die Krot fressen, weil die Politik nicht fähig ist, das ganze System zu regulieren? Und ja, tut mir auch leid an der Stelle, dass ich da so ins OT abgedriftet bin, leider hab ich nichts konstruktives beizutragen...
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